Die Kalenderwoche 15 bringt Bewegung in mehrere Baustellen: Der 15.1-Zeitplan ist offiziell, das Laptop-Projekt ruft zum Community-Test auf, OpenZFS bekommt endlich eine native relatime-Property, und auf freebsd-current wird hitzig über IPv6-only-RA-Flags und einen knote-Panic diskutiert.
FreeBSD 15.1: Zeitplan veröffentlicht, Code Slush am 17. April
Am 3. April verschickten die Release Engineers die offizielle Zeitplan-Erinnerung für FreeBSD 15.1. Die wichtigsten Termine:
| Meilenstein | Geplant |
|---|---|
| Code Slush beginnt | 17. April 2026 |
| releng/15.1-Branch | 1. Mai |
| BETA1 | 1. Mai |
| RC1 | 22. Mai |
| RELEASE | 2. Juni |
Der Code Slush startet also noch diese Woche: Ab dem 17. April sollten keine neuen Features mehr in den stable/15-Branch eingefügt werden. Commits sind weiterhin möglich, aber der Fokus verlagert sich auf Stabilität und Bugfixes.
Die Release Notes-Seite existiert bereits und listet die geplanten Neuerungen: KDE-Plasma-6-Installer-Option, verbesserte Realtek-WiFi-Unterstützung (RTW88/RTW89), aktualisierte Grafiktreiber und erweiterte Power-Management-Features.
Was das heißt: Wer noch Änderungen für 15.1 einbringen will, hat noch wenige Tage. Danach geht es in die Beta-Phase.
Laptop-Integration-Testing-Projekt: Aufruf an die Community
Die FreeBSD Foundation hat ein neues Community-Test-Programm ins Leben gerufen: das Laptop Integration Testing Project. LWN berichtete am 6. April darüber.
Die Idee: Die Foundation hat begrenzten Zugang zu Test-Hardware und will die Community einbinden. Freiwillige können FreeBSD auf ihrem Laptop testen und Ergebnisse über ein GitHub-Repository einreichen — ohne sich um Umgebungssetup, Formatierung oder Repo-Details kümmern zu müssen.
Besonders wertvoll: Nicht nur automatisierte Hardware-Erkennung, sondern auch manuelle Kommentare zur persönlichen Erfahrung mit FreeBSD auf dem jeweiligen Gerät. Die Ergebnisse werden in einer öffentlichen Kompatibilitäts-Matrix dargestellt.
Was das heißt: Endlich ein strukturierter Weg, Laptop-Kompatibilität zu dokumentieren. Wer FreeBSD auf einem Laptop nutzt, sollte das Repository besuchen und Ergebnisse einreichen — jeder Eintrag zählt.
Repository: github.com/FreeBSDFoundation/freebsd-laptop-testing
OpenZFS: Native relatime-Property für FreeBSD
Alexander Motin (amotin) hat am 1. April einen lang erwarteten Commit in OpenZFS gemerged: relatime als native ZFS-Property auf FreeBSD.
Bisher mussten FreeBSD-Nutzer, die relatime (relative Access-Time-Updates — atime wird nur geschrieben, wenn sie älter als mtime/ctime ist oder älter als 24 Stunden) nutzen wollten, auf den Mount-Option-Workaround zurückgreifen. Mit dem neuen Commit wird relatime zu einer echten ZFS-Dataset-Eigenschaft, die sich per zfs set relatime=on pool/dataset setzen lässt.
Die Implementierung folgt der Linux-Kernel-Logik: atime wird nur aktualisiert, wenn mindestens eine der Bedingungen erfüllt ist:
- atime < mtime
- atime < ctime
- atime älter als 24 Stunden
Was das heißt: Weniger unnötige ZFS-Writes bei Lesezugriffen, besonders auf SSDs und Laptops. Wer atime=on braucht (z.B. für Maildir oder Backup-Tools), kann jetzt relatime=on setzen und bekommt das Beste aus beiden Welten.
Mailinglisten: IPv6-only-RA-Flag soll weichen
Pouria Mousavizadeh Tehrani hat am 2. April auf freebsd-current einen Vorschlag zur Diskussion gestellt: Die Entfernung der IPv6-only-RA-Draft-Implementierung zugunsten von RFC 8925 (DHCP-basierter Ansatz).
Hintergrund: Bjoern Zeeb hatte eine IPv6-only-Flag-Implementierung als IETF-Draft eingereicht, die auch im FreeBSD-Kernel und Userland vorhanden ist (standardmäßig nicht kompiliert, hinter DRAFT_IETF_6MAN_IPV6ONLY_FLAG). Das Draft wurde jedoch vom IETF aufgegeben, weil RA-Flags trivial fälschbar sind und für Malicious-Disabling von IPv4-Netzwerken missbraucht werden könnten. RFC 8925 verwendet stattdessen eine DHCP-Option, die in der Praxis durch DHCP Snooping besser geschützt ist.
Pouria bittet um Zustimmung, die Draft-spezifischen Codepfade zu entfernen und auf RFC 8925 zu migrieren. Bjoern ist cc’d, und die Diskussion läuft.
Was das heißt: Wer die experimentelle IPv6-only-RA-Flag nutzt, sollte auf RFC 8925 umsteigen. Die Code-Bereinigung ist ein guter Schritt — weniger tote Pfade im Kernel.
Mailinglisten: knote-Panic und etcupdate-Verlangsamung
Zwei aktuelle Probleme auf freebsd-current:
knote-Panic: Nach Commit d9d7b5948649 (main-n284826) tritt bei einigen Nutzern ein Panic auf: "knote ... was already on knlist...". Konstantin Belousov und Kyle Evans arbeiten an der Diagnose. Der Bug (Bugzilla #293382) betrifft closefp_impl und kann zu Deadlocks und Kernel-Crashes führen. Betroffen sind -CURRENT-Nutzer nach dem 2. April.
etcupdate doppelt so langsam: Bob Prohaska berichtet, dass etcupdate auf armv7 (Raspberry Pi 2) mittlerweile doppelt so lange dauert wie früher. Die Diskussion mit Dimitry Andric und Mark Millard legt nahe, dass die Ursache in der pkgbase-Umstellung und der veränderten Dateistruktur liegt — etcupdate muss mehr Dateien prozessieren.
Was das heißt: -CURRENT-Nutzer sollten den knote-Bug im Blick behalten. Auf armv7-Systemen lohnt es sich, etcupdate-Alternativen wie mergemaster zu evaluieren, bis das Problem behoben ist.
Ports: Chromium 146 und Security-Updates
Die Ports-Collection hat in dieser Woche mehrere Updates erhalten:
- Chromium 146.0.7680.177 (1. April, René Nagy) — aktuelles Major-Release
- Zuvor: Chromium 146.0.7680.164 mit VuXML-Eintrag für Sicherheitslücken in Versionen < 146.0.7680.164
- Chromium 30. März: Revert eines Upstream-Commits, der das Datei-Dialog-Verhalten auf FreeBSD kaputtgemacht hatte
Die kontinuierlichen Chromium-Updates zeigen, dass die FreeBSD-Ports-Maintainer aktiv sind — aber auch, dass Upstream-Commits regelmäßig FreeBSD-spezifische Regressionen verursachen.
Neuer Committer: Kenneth Raplee
Am 4. April wurde Kenneth Raplee (kenrap@FreeBSD.org) als neuer Ports-Committer angekündigt. Willkommen im Projekt!
Ausblick auf die kommende Woche
- 17. April: Code Slush für 15.1 beginnt — letzte Chance für Feature-Commits
- Der knote-Bug in -CURRENT braucht einen Fix
- Die IPv6-only-RA-Diskussion könnte zu einem Commit führen
- Das Laptop-Testing-Projekt hofft auf erste Community-Ergebnisse





