GPL-frei: FreeBSD 16 entledigt sich des letzten GPL-Codes
Die wohl bemerkenswerteste Nachricht der Woche: FreeBSDs Basissystem ist nun vollständig frei von GPL-lizenzierter Software.Der letzte verbleibende GPL-Baustein war dialog, das bereits vor über vier Jahren durch das BSD-lizenzierte bsddialog im Installer ersetzt worden war. Das Tool dpv war der letzte Nutzer von dialog, wurde aber bereits seit über zwei Jahren nicht mehr gebaut. Mit dem Entfernen von dialog, dpv, libdpv und libfigpar wurde auch das gesamte gnu/-Unterverzeichnis aus dem Source-Tree entfernt — ein Verzeichnis, das über Jahrzehnte Bestand hatte.
Für Endanwender ändert sich im Alltag nichts, da die betroffenen Komponenten längst ersetzt waren oder nicht mehr gebaut wurden. Symbolisch ist der Schritt jedoch von großer Bedeutung: Er schließt eine der längsten technischen Transitionen in der FreeBSD-Geschichte ab. Die Ports-Sammlung enthält weiterhin tausende GPL-lizenzierte Programme — die Änderung betrifft ausschließlich das Basissystem.
Desktop-Installer: NVIDIA-Treiber und Lizenzfragen
Alfonso Siciliano, treibende Kraft hinter der KDE-Desktop-Installations-Option im FreeBSD-Installer, hat einen Update-Bericht veröffentlicht. Nachdem im Mai bereits die automatische GPU-Erkennung für Intel- und AMD-Hardware integriert wurde, liegt der Fokus nun auf NVIDIA-Unterstützung. Die automatische Erkennung des passenden NVIDIA-Treibers anhand der unterstützten Chipsätze steht technisch — kann aber vorerst nicht automatisch installiert werden, da die Lizenzbedingungen von NVIDIA noch nicht abschließend geklärt sind. Stattdessen werden Nutzer mit NVIDIA-GPUs ein Menü zur manuellen Treiberauswahl erhalten. Der Desktop-Installationsmodus soll mit FreeBSD 15.2 (geplant für Dezember 2026) bereit sein.
AMD ROCm auf FreeBSD: Praktikant portiert Compute-Stack
Auf dem FreeBSD Developer Summit im Juni wurde die Arbeit von Sourojeet Adhikari vorgestellt, einem Praktikanten der FreeBSD Foundation, der daran arbeitet, AMDs ROCm-Compute-Stack auf FreeBSD zu portieren. FreeBSD nutzt bereits den AMDGPU-DRM-Kerneltreiber (portiert aus dem Linux-Kernel), aber bisher gab es keine ROCm-Unterstützung für GPU-Compute. Ziel ist zunächst, eine einfache Vektoraddition mit ROCm auf FreeBSD zum Laufen zu bringen — der vollständige ROCm/HIP/OpenCL-Stack ist für einen einzelnen Praktikumszeitraum jedoch zu ambitioniert. Sollte dies gelingen, könnte es eine bessere Alternative für GPU-Compute auf FreeBSD sein als die inoffizielle CUDA-Unterstützung via Linux-Emulation oder Podman-Container.
NextBSD kehrt zurück: FreeBSD mit Darwin-Komponenten
Joe Maloney hat NextBSD als NextBSD-redux wiederbelebt — ein Projekt, das FreeBSD mit Komponenten aus Apples Open-Source-Darwin-Stack kombiniert. Der Plan: FreeBSD-Kernel beibehalten, aber Darwin-Dienste wie launchd als Userland einsetzen. Maloney nutzt dabei auch Claude Code (Anthropics KI-Assistent) für Recherche, Design und Code-Generierung, während er selbst die Änderungen überprüft und das Projekt leitet. Ein grafischer Desktop ist noch nicht verfügbar; langfristig soll die selbst entwickelte Gershwin-Desktop-Umgebung (basierend auf GNUstep und Xfce) integriert werden. Das Projekt teilt sich Code mit ravynOS und helloSystem, verfolgt aber einen eigenen Ansatz.
Sicherheit: Rekordzahl an Advisories im Juni
Richard Bejtlich (Tao Security) berichtet, dass FreeBSD im Juni 2026 mit 25 Security Advisories einen neuen Projektrekordaufgestellt hat — der vorherige Rekord lag bei 18 aus dem Januar 2001. Grund ist die zunehmende Nutzung von KI-Werkzeugen zur Schwachstellensuche: Mindestens 9 der Juni-Schwachstellen wurden mithilfe von KI entdeckt. Das Alpha-Omega-Projekt finanziert FreeBSD-Security-Team-Mitglieder mit Festverträgen, um Schwachstellen zu finden und zu beheben, wobei KI-Modelle für die Schwachstellenerkennung eingesetzt werden, Patches aber manuell erstellt werden.
Die Ende Juni veröffentlichten Advisories betreffen kritische Komponenten: – OpenZFS (CVE-2026-49429/49430): Kernel-Heap-Overflows durch Integer-Truncation bei Puffergrößen – libalias/RTSP (CVE-2026-49420): Pufferüberlauf, der Remote Code Execution auf NAT-Gateways ermöglichen kann – TCP RACK (CVE-2026-49422): Use-after-free im TCP-Stack – POSIX shared memory: Kernel-Speicherfreigabe-Fehler mit sendfile – KTLS: Denial of Service durch Zugriff auf uninitialisierten Speicher – compat32: Kernel-Stack-Disclosure im 32-Bit-Kompatibilitätsmodus – Linux-Kompatibilitätsschicht: Kernel-Stack-Disclosure – iconv: Mehrere Schwachstellen
Außerdem wurde die Stack-Protector-Strong-Unterstützung (D56870) in den stable/14-Branch zurückportiert — ein wichtiges Härtungs-Merkmal, das nun standardmäßig im Kernel aktiviert ist.
Enterprise-Umfrage: Hohe Zufriedenheit
Die FreeBSD Enterprise Working Group (EWG) hat die Ergebnisse ihrer Unternehmensumfrage veröffentlicht. Der Net Promoter Score (NPS) liegt bei 51,6 — im Technologiesektor gilt ein NPS über 50 als hervorragend. 86 % der Befragten berichten, dass die Enterprise-Nutzbarkeit von FreeBSD in den letzten drei Jahren verbessert (52 %) oder stabil geblieben ist (34 %). Die wichtigsten Verbesserungstreiber: bhyve, Jails-Management, Zero Trust, Reproducible Builds und SBOMs. Die größten Lücken: Cloud-Native-Unterstützung, Drittanbieter-Enterprise-App-Support und Langzeit-Support.
Laptop-Projekt: Juni-Update
Die FreeBSD Foundation hat das Laptop-Projekt-Update für Juni veröffentlicht. Wichtigste Punkte: – Linux DRM 6.13: Die Portierung des Grafiktreibers ist abgeschlossen und zur Review eingereicht. Dies ist der erste Schritt hin zu DRM 6.18 (aktuelle LTS-Version). – Heterogenes Scheduling: Detaillierte Analyse des ULE-Schedulers durchgeführt; Bugfixes eingereicht. Ein Treiber für die Intel Feedback Interface und ein HMP-Framework sind in Review. – S0ix/Suspend: Fortschritte beim D-State-Management auf dem AMD Framework Laptop; NVMe-Resume-Probleme werden untersucht. – Hibernate (S4): Auf dem Developer Summit gab es einen Vortrag über den aktuellen Stand der Hibernate-Implementierung. – Wi-Fi 6: Drei Treiber (iwlwifi, rtw89, mt76) vorhanden; net80211-Stack-Erweiterungen werden benötigt. – Perfetto: Portierung auf FreeBSD abgeschlossen, steht kurz vor der Review. – RFKILL/Tastatur: Neuer Treiber für HID-Wireless-Radio-Control-Buttons (Flugmodus-Taste) hinzugefügt.
FreeBSD 15.2: Zeitplan veröffentlicht
Der offizielle Release-Zeitplan für FreeBSD 15.2 wurde am 15. Juli veröffentlicht: – 23. Oktober 2026: Code Slush – 6. November 2026: Branch releng/15.2 + BETA1 – 4. Dezember 2026: RELEASE-Builds – 8. Dezember 2026: Release-Ankündigung – End-of-Life: 15.1 am 31. März 2027, 15.2 am 30. September 2027
Kernel-Commits der Woche (Auswahl)
Einige bemerkenswerte Commits im FreeBSD-Source-Tree: – pfctl: Fix incorrect errno checks (kprovost) — Die Funktionen geben Fehlerwerte zurück, setzen aber nicht errno. – Revert „pkg: Add -j and -r options“ (kevans91) — Die Optionen wurden zurückgenommen. – amd64 efirt: Register all runtime regions as fictitious (kostikbel) — Wichtig für Virtualisierung. – exterrctl(2): Add kern_exterrctl (brooksdavis) — CHERI-Upstreaming-Arbeit, gesponsort von DARPA. – ptrace(2): PTSETSC_RET request (kostikbel) — Neue ptrace-Funktionalität, gesponsort von der FreeBSD Foundation. – malloc: Refactor redzone and KASAN handling (D58272) — Überarbeitung der Speicherdebugging-Infrastruktur.