FreeBSD Wochenrückblick: 14.–20. Juli 2026

GPL-frei: FreeBSD 16 entledigt sich des letzten GPL-Codes

Die wohl bemerkenswerteste Nachricht der Woche: FreeBSDs Basissystem ist nun vollständig frei von GPL-lizenzierter Software.Der letzte verbleibende GPL-Baustein war dialog, das bereits vor über vier Jahren durch das BSD-lizenzierte bsddialog im Installer ersetzt worden war. Das Tool dpv war der letzte Nutzer von dialog, wurde aber bereits seit über zwei Jahren nicht mehr gebaut. Mit dem Entfernen von dialogdpvlibdpv und libfigpar wurde auch das gesamte gnu/-Unterverzeichnis aus dem Source-Tree entfernt — ein Verzeichnis, das über Jahrzehnte Bestand hatte.

Für Endanwender ändert sich im Alltag nichts, da die betroffenen Komponenten längst ersetzt waren oder nicht mehr gebaut wurden. Symbolisch ist der Schritt jedoch von großer Bedeutung: Er schließt eine der längsten technischen Transitionen in der FreeBSD-Geschichte ab. Die Ports-Sammlung enthält weiterhin tausende GPL-lizenzierte Programme — die Änderung betrifft ausschließlich das Basissystem.

Desktop-Installer: NVIDIA-Treiber und Lizenzfragen

Alfonso Siciliano, treibende Kraft hinter der KDE-Desktop-Installations-Option im FreeBSD-Installer, hat einen Update-Bericht veröffentlicht. Nachdem im Mai bereits die automatische GPU-Erkennung für Intel- und AMD-Hardware integriert wurde, liegt der Fokus nun auf NVIDIA-Unterstützung. Die automatische Erkennung des passenden NVIDIA-Treibers anhand der unterstützten Chipsätze steht technisch — kann aber vorerst nicht automatisch installiert werden, da die Lizenzbedingungen von NVIDIA noch nicht abschließend geklärt sind. Stattdessen werden Nutzer mit NVIDIA-GPUs ein Menü zur manuellen Treiberauswahl erhalten. Der Desktop-Installationsmodus soll mit FreeBSD 15.2 (geplant für Dezember 2026) bereit sein.

AMD ROCm auf FreeBSD: Praktikant portiert Compute-Stack

Auf dem FreeBSD Developer Summit im Juni wurde die Arbeit von Sourojeet Adhikari vorgestellt, einem Praktikanten der FreeBSD Foundation, der daran arbeitet, AMDs ROCm-Compute-Stack auf FreeBSD zu portieren. FreeBSD nutzt bereits den AMDGPU-DRM-Kerneltreiber (portiert aus dem Linux-Kernel), aber bisher gab es keine ROCm-Unterstützung für GPU-Compute. Ziel ist zunächst, eine einfache Vektoraddition mit ROCm auf FreeBSD zum Laufen zu bringen — der vollständige ROCm/HIP/OpenCL-Stack ist für einen einzelnen Praktikumszeitraum jedoch zu ambitioniert. Sollte dies gelingen, könnte es eine bessere Alternative für GPU-Compute auf FreeBSD sein als die inoffizielle CUDA-Unterstützung via Linux-Emulation oder Podman-Container.

NextBSD kehrt zurück: FreeBSD mit Darwin-Komponenten

Joe Maloney hat NextBSD als NextBSD-redux wiederbelebt — ein Projekt, das FreeBSD mit Komponenten aus Apples Open-Source-Darwin-Stack kombiniert. Der Plan: FreeBSD-Kernel beibehalten, aber Darwin-Dienste wie launchd als Userland einsetzen. Maloney nutzt dabei auch Claude Code (Anthropics KI-Assistent) für Recherche, Design und Code-Generierung, während er selbst die Änderungen überprüft und das Projekt leitet. Ein grafischer Desktop ist noch nicht verfügbar; langfristig soll die selbst entwickelte Gershwin-Desktop-Umgebung (basierend auf GNUstep und Xfce) integriert werden. Das Projekt teilt sich Code mit ravynOS und helloSystem, verfolgt aber einen eigenen Ansatz.

Sicherheit: Rekordzahl an Advisories im Juni

Richard Bejtlich (Tao Security) berichtet, dass FreeBSD im Juni 2026 mit 25 Security Advisories einen neuen Projektrekordaufgestellt hat — der vorherige Rekord lag bei 18 aus dem Januar 2001. Grund ist die zunehmende Nutzung von KI-Werkzeugen zur Schwachstellensuche: Mindestens 9 der Juni-Schwachstellen wurden mithilfe von KI entdeckt. Das Alpha-Omega-Projekt finanziert FreeBSD-Security-Team-Mitglieder mit Festverträgen, um Schwachstellen zu finden und zu beheben, wobei KI-Modelle für die Schwachstellenerkennung eingesetzt werden, Patches aber manuell erstellt werden.

Die Ende Juni veröffentlichten Advisories betreffen kritische Komponenten: – OpenZFS (CVE-2026-49429/49430): Kernel-Heap-Overflows durch Integer-Truncation bei Puffergrößen – libalias/RTSP (CVE-2026-49420): Pufferüberlauf, der Remote Code Execution auf NAT-Gateways ermöglichen kann – TCP RACK (CVE-2026-49422): Use-after-free im TCP-Stack – POSIX shared memory: Kernel-Speicherfreigabe-Fehler mit sendfile – KTLS: Denial of Service durch Zugriff auf uninitialisierten Speicher – compat32: Kernel-Stack-Disclosure im 32-Bit-Kompatibilitätsmodus – Linux-Kompatibilitätsschicht: Kernel-Stack-Disclosure – iconv: Mehrere Schwachstellen

Außerdem wurde die Stack-Protector-Strong-Unterstützung (D56870) in den stable/14-Branch zurückportiert — ein wichtiges Härtungs-Merkmal, das nun standardmäßig im Kernel aktiviert ist.

Enterprise-Umfrage: Hohe Zufriedenheit

Die FreeBSD Enterprise Working Group (EWG) hat die Ergebnisse ihrer Unternehmensumfrage veröffentlicht. Der Net Promoter Score (NPS) liegt bei 51,6 — im Technologiesektor gilt ein NPS über 50 als hervorragend. 86 % der Befragten berichten, dass die Enterprise-Nutzbarkeit von FreeBSD in den letzten drei Jahren verbessert (52 %) oder stabil geblieben ist (34 %). Die wichtigsten Verbesserungstreiber: bhyve, Jails-Management, Zero Trust, Reproducible Builds und SBOMs. Die größten Lücken: Cloud-Native-Unterstützung, Drittanbieter-Enterprise-App-Support und Langzeit-Support.

Laptop-Projekt: Juni-Update

Die FreeBSD Foundation hat das Laptop-Projekt-Update für Juni veröffentlicht. Wichtigste Punkte: – Linux DRM 6.13: Die Portierung des Grafiktreibers ist abgeschlossen und zur Review eingereicht. Dies ist der erste Schritt hin zu DRM 6.18 (aktuelle LTS-Version). – Heterogenes Scheduling: Detaillierte Analyse des ULE-Schedulers durchgeführt; Bugfixes eingereicht. Ein Treiber für die Intel Feedback Interface und ein HMP-Framework sind in Review. – S0ix/Suspend: Fortschritte beim D-State-Management auf dem AMD Framework Laptop; NVMe-Resume-Probleme werden untersucht. – Hibernate (S4): Auf dem Developer Summit gab es einen Vortrag über den aktuellen Stand der Hibernate-Implementierung. – Wi-Fi 6: Drei Treiber (iwlwifi, rtw89, mt76) vorhanden; net80211-Stack-Erweiterungen werden benötigt. – Perfetto: Portierung auf FreeBSD abgeschlossen, steht kurz vor der Review. – RFKILL/Tastatur: Neuer Treiber für HID-Wireless-Radio-Control-Buttons (Flugmodus-Taste) hinzugefügt.

FreeBSD 15.2: Zeitplan veröffentlicht

Der offizielle Release-Zeitplan für FreeBSD 15.2 wurde am 15. Juli veröffentlicht: – 23. Oktober 2026: Code Slush – 6. November 2026: Branch releng/15.2 + BETA1 – 4. Dezember 2026: RELEASE-Builds – 8. Dezember 2026: Release-Ankündigung – End-of-Life: 15.1 am 31. März 2027, 15.2 am 30. September 2027

Kernel-Commits der Woche (Auswahl)

Einige bemerkenswerte Commits im FreeBSD-Source-Tree: – pfctl: Fix incorrect errno checks (kprovost) — Die Funktionen geben Fehlerwerte zurück, setzen aber nicht errno. – Revert „pkg: Add -j and -r options“ (kevans91) — Die Optionen wurden zurückgenommen. – amd64 efirt: Register all runtime regions as fictitious (kostikbel) — Wichtig für Virtualisierung. – exterrctl(2): Add kern_exterrctl (brooksdavis) — CHERI-Upstreaming-Arbeit, gesponsort von DARPA. – ptrace(2): PTSETSC_RET request (kostikbel) — Neue ptrace-Funktionalität, gesponsort von der FreeBSD Foundation. – malloc: Refactor redzone and KASAN handling (D58272) — Überarbeitung der Speicherdebugging-Infrastruktur.

FreeBSD Wochenrückblick: 6.–12. Juli 2026

Datum: 13. Juli 2026
Zeitraum: Montag, 6. Juli – Sonntag, 12. Juli 2026

Sicherheitslücken: 13 Advisories Ende Juni

Die größte Sicherheitsnachricht der letzten Wochen fiel auf den 30. Juni: FreeBSD veröffentlichte 13 Sicherheits-Advisories (SA-26:37 bis SA-26:49), die mehrere kritische Schwachstellen betreffen. Die wichtigsten:

  • SA-26:40.zfs – OpenZFS-Schwachstellen (CVE-2026-49429, CVE-2026-49430):Eingabesteuerungen kürzen 64-Bit-Puffergrößen auf 32-Bit-Integer bei der Speicherzuweisung, verwenden aber die ursprüngliche 64-Bit-Größe beim Schreiben. Das führt zu Kernel-Heap-Overflows. Besonders gefährdet sind Systeme mit ZFS-Delegation-Features.
  • SA-26:41.libalias – Buffer Overflow im RTSP-Handler (CVE-2026-49420): Der libalias-RTSP-Handler schreibt umgeschriebene Pakete in einen Stack-Puffer fester Länge, ohne die Größe zu prüfen. Ein entfernter Angreifer kann damit ein NAT-Gateway übernehmen.
  • SA-26:43.tcp – Use-After-Free im TCP RACK Stack (CVE-2026-49422): Der Options-Handler gibt ein Connection-Lock frei, um Nutzerdaten zu kopieren, lädt aber nach dem Wiedererwerb einen veralteten Pointer nicht neu. Schnelles Stack-Wechseln in diesem Fenster hinterlässt einen Stale Pointer.
  • SA-26:44.posixshm – POSIX Largepage-Schwachstellen: Das System gibt Speicherseiten bei sendfile mit einem bestimmten Flag frei, während aktive Mappings noch darauf verweisen. Lokale Angreifer können auf freigegebenen Kernelspeicher zugreifen.
  • SA-26:46.ktls – Remote DOS über uninitialisierten Speicher im KTLS-Empfangspfad: Eine weitere KTLS-Schwachstelle (nach CVE-2026-45257, der lokalem Root-Zugang ermöglichte). Der Empfangspfad greift auf uninitialisierten Speicher zu, was zu einem Absturz führen kann.
  • SA-26:48.compat32 – Heap-Offenlegung im compat32 kevent()-Handler: Der 32-Bit-Kompatibilitäts-Handler kann uninitialisierten Kernel-Speicher an Nutzerprozesse preisgeben.
  • SA-26:49.iconv – Mehrere Schwachstellen in iconv(3)

Alle Advisories betreffen FreeBSD 14.x und 15.x. Administratoren sollten ihre Systeme zeitnah aktualisieren. Wer bestimmte Module nicht lädt, ist teilweise nicht betroffen; als Workaround können libalias deaktiviert, das TCP-RACK-Modul entladen und unprivilegierter ZFS-Zugriff eingeschränkt werden.

Im Quellcode: Entwickler-Commits der Woche

Auf dem main-Branch (FreeBSD 16-CURRENT) gab es mehrere bemerkenswerte Commits:

  • pf: Netlink-Befehle zurück auf enum (Gleb Smirnoff): Die pf-Netlink-Schnittstelle wurde refaktoriert; die Befehle wurden von Makros zurück auf ein enum-Format geändert, was die Wartbarkeit verbessert.
  • libc/resolv: Option-Parser refaktoriert (Dag-Erling Smørgrav): Der Resolver-Optionsparser wurde überarbeitet, toten Code entfernt und den Stil aufgeräumt.
  • libsysdecode: mktables unterstützt nun enums (Dag-Erling Smørgrav): Das Tabellen-Generierungstool kann jetzt Enum-Werte verarbeiten.
  • inotify.2: Formatierung korrigiert (Mark Johnston): Die Manpage für inotify wurde aufgebessert.
  • pdfork.2: Grammatikkorrektur (Konstantin Belousov): Kleine, aber saubere Dokumentationsverbesserung.
  • D56976: Heap-Offenlegung in compat7 kern.proc.filedesc sysctl behoben (emaste): Eine Phabricator-Review, die einen Speicherleck-Fehler im Kompatibilitätscode schließt.

Im Ports-Tree: – www/deno: Port verbessert (VVD, delphij): Deno-Port erhielt Abhängigkeitskorrekturen, PREFIX/LOCALBASE-Bereinigungen und drei Patch-Korrektheitsfehler wurden behoben.

Blogartikel und Community-Beiträge

„Moving to FreeBSD from Linux“ (Kuon, 2. Juli)

Ein langjähriger Mac-OS- und später Linux-Nutzer (10 Jahre Arch Linux mit Sway/Wayland) beschreibt seinen Wechsel zu FreeBSD als Daily Driver. Nach einem Kernel-Update, das seine Tastatur lahmlegte, installierte er FreeBSD und ist seit 6 Monaten zufrieden. Fehlende Dinge: OBS Browser Source und AnyDesk/RustDesk (Workaround: VM). Sein Fazit: „It works.“ und die Community sei sehr einladend.

Link

„Why FreeBSD Appears to Eat Your RAM (and Why It Doesn’t Matter)“ (SourceFeed, 4. Juli)

Ein ausgezeichneter technischer Artikel über FreeBSDs Speicherverwaltung. Er erklärt, warum Tools wie btop und fastfetch auf demselben System völlig unterschiedliche Speicherauslastung anzeigen (btop sieht Wired-Memory als „belegt“, fastfetch zählt Inactive+Cache als „frei“). Der Artikel deckt die Page-Queues (Active, Inactive, Laundry, Wired, Free) und die ZFS ARC ab – und warum beinahe freier Speicher auf einem gesunden FreeBSD-System gegen Null tendiert (by Design).

Link

„Upgrading FreeBSD 15.0 to 15.1: The Official Paths“ (Larvitz Blog)

Ein detaillierter Leitfaden für das Upgrade von 15.0-RELEASE auf 15.1-RELEASE über beide offiziellen Pfade: freebsd-update (Distribution-Set) und pkg (Packaged-Base). Besonders nützlich: Die Unterscheidung mittels pkg which /usr/bin/uname, die Boot-Loader-Update-Sequenz und der Hinweis auf die Errata vom 30. Juni (die besagten 13 Advisories). Der Artikel wurde am 2. Juli aktualisiert und enthält nun den korrekten Ablauf.

Link

„GitLab on FreeBSD“ (Vuink, 9. Juli)

Eine Anleitung zur Installation und Einrichtung eines GitLab-Servers auf FreeBSD. Vergleicht GitLab mit Gitea als On-Premises-Alternativen zu GitHub. Enthält Hinweise zu Nginx, ZFS und GELI-verschlüsselten VMs.

Link

„Review: FreeBSD 15.1 with an install-time desktop“ (Tux Machines, 6. Juli)

Ein Review der neuen Desktop-Installations-Option in FreeBSD 15.1, die es ermöglicht, KDE direkt während der Installation einzurichten. FreeBSD 15.1 hat verbesserte WiFi-Unterstützung (Linux 7.0 WLAN-Treiber) und einen Boot-Time-Scheduler-Switch erhalten.

„FreeBSD Foundationals: The Boot Process“ (Larvitz Blog)

Dritter Teil einer Serie über FreeBSD-Grundlagen: vom Loader über den Kernel-Boot bis hin zu Boot-Environments. Ideal für Neulinge, die verstehen wollen, wie FreeBSD startet.

Interview: FreeBSD Core Team Contributor 2026 (freebsd-howto.com)

Ein ausführliches zweistündiges Interview mit Marcus Hellberg, Kernel-Engineer und Core-Team-Mitglied. Themen: die 14.x-Konsolidierung, die WITHOUTASLR-Entfernung (ASLR ist jetzt nicht mehr optional), die OpenZFS-Synchronisationspraxis und die Jails-Roadmap. Bemerkenswertes Zitat zur ASLR-Debatte: *„Removing WITHOUTASLR was a statement: this is not optional anymore.“* Zur Jails-Zukunft: Standardisierte Image-Formate und bessere Orchestrierungs-Tools stehen auf der Wunschliste.

Link

FreeBSD 15.1: Nach dem Release

FreeBSD 15.1-RELEASE wurde am 16. Juni veröffentlicht. In der Woche nach dem Release-Tag dominierten Upgrade-Anleitungen und Erfahrungsberichte die Community. Die wichtigsten Neuerungen in 15.1:

  • WiFi-Treiber aus Linux 7.0 (iwlwifi und andere)
  • Boot-Time CPU-Scheduler-Switch (nicht mehr nur zur Kompilierzeit)
  • KDE-Desktop-Installations-Option im Installer
  • Verbesserte Laptop-Unterstützung (Suspend/Resume, besserer WiFi-Support)
  • C23-Compiler-Unterstützung in der Standard-Toolchain

Unterstützungszeitraum: 15.1 bis 31. März 2027, 15.0 erreicht EOL am 30. September 2026.

Valuable News – 7. Juli 2026 (vermaden)

Die wöchentliche „Valuable News“-Zusammenfassung von vermaden deckt ab: FreeBSD-Boot-Prozess-Grundlagen, pkgbasify auf FreeBSD 15.1, das Upgrade von 15.0 auf 15.1 und weitere Community-Themen.

Link

Ausblick

Mit 13 kritischen Sicherheitslücken, die Ende Juni gepatcht wurden, ist das dringendste Thema für alle FreeBSD-Administratoren: Systeme aktualisieren. Die 15.0-EOL rückt näher (30. September), ein Upgrade auf 15.1 wird empfohlen. Die Community-Diskussionen um Desktop-Erfahrung, Speicher-Monitoring und Jails-Orchestrierung zeigen, dass FreeBSD als Workstation und Server-Plattform weiterhin an Reife gewinnt.

Kürzen der Schulbegleitung in Hamburg

Eigentlich möchte ich hier in diesem Blog nicht politisch werden. Dennoch habe ich das Gefühl, dass wir uns als Gesellschaft massiv rückentwickeln und Dinge, für die viele Menschen Jahre oder Jahrzehnte gekämpft haben, weil sie sinnvoll und wichtig sind, mit einem Fingerschnipp entfernen.

Das Geniale, wie ich finde, an der Sache ist: Man nimmt nicht zunächst starken, wehrhaften Menschen Dinge weg. Das würde sicher zu großen Aufschreien, Problemen und Juristereien führen. Man nimmt es denen weg, die (hoch-) vulnerabel sind und sich mitunter nicht wehren können. Da erwartet man keinen oder nur wenig Widerstand, sind es doch kleine, nicht wehrhafte Grüppchen ohne Lobby. Rentner. Behinderte. Alleinerziehende. Arme. Gebrechliche. Kranke. Das Interessante daran ist, dass jeder, außnahmslos jeder, eines Tages einer oder mehrerer dieser Gruppen angehören kann. Du wirst alt, bist nicht reich, du wirst Renter. Du hast einen Unfall oder einen Schlaganfall, du wirst zum Behinderten. Du hast einen Partner und ein Kind, der Partner stirbt, du bist alleinerziehend. Du verlierst deinen Job und findest aufgrund deines Alters keinen neuen, du wirst arm. Du wirst alt, du wirst gebrechlich. Der Krebs wuchert in deinem Körper, du wirst krank.

Verschiedene Kinder brauchen in der Schule Hilfe in Form einer Begleitperson, der sogenannten Schulbegleitung, zur Teilhabe am Unterricht, aber auch am sozialen Miteinander in der Schule. Die Schulbegleitung übernimmt mehrere Aufgaben. Sie vermittelt zwischen Kind und Kindern, zwischen Kind und Lehrern, sie hilft, Aufgaben zu verstehen, formuliert um, übernimmt manchmal das Schreiben, übersetzt soziale Ereignisse, die das Kind nicht versteht und macht noch vieles mehr. Ohne jemanden, der sich in dem Bereich nicht auskennt, ist kaum oder keine Teilhabe möglich. Das führt natürlich zu verschiedenen anderen Problemen. Das Kind kann mitunter nicht zur Schule, die Schule bedroht die Eltern mit Zwangsmaßnahmen, das Jugendamt wird eingeschaltet, es könnte Kindeswohlgefährdung geben, das Kind verpasst viel Schulstoff … es gibt noch so viel mehr.

Laut dem Autismus Hamburg e.V. soll es in Hamburg eine massive Kürzung der Schulbegleitung geben. Sie haben dazu einen offenen Brief verfasst. In diesem steht genau drin, warum diese Idee schlecht ist und was sie fordern. Lest euch das einmal durch. Es ist schlimm und wenn das Modell gefahren wird, kann es als nächstes dann die nächsten Kinder (und bald arbeitslosen Schulbegleiter) treffen.

Das Bild ist folgendes: Mr. Burns nimmt Baby den Lutscher weg.