Eigentlich möchte ich hier in diesem Blog nicht politisch werden. Dennoch habe ich das Gefühl, dass wir uns als Gesellschaft massiv rückentwickeln und Dinge, für die viele Menschen Jahre oder Jahrzehnte gekämpft haben, weil sie sinnvoll und wichtig sind, mit einem Fingerschnipp entfernen.
Das Geniale, wie ich finde, an der Sache ist: Man nimmt nicht zunächst starken, wehrhaften Menschen Dinge weg. Das würde sicher zu großen Aufschreien, Problemen und Juristereien führen. Man nimmt es denen weg, die (hoch-) vulnerabel sind und sich mitunter nicht wehren können. Da erwartet man keinen oder nur wenig Widerstand, sind es doch kleine, nicht wehrhafte Grüppchen ohne Lobby. Rentner. Behinderte. Alleinerziehende. Arme. Gebrechliche. Kranke. Das Interessante daran ist, dass jeder, außnahmslos jeder, eines Tages einer oder mehrerer dieser Gruppen angehören kann. Du wirst alt, bist nicht reich, du wirst Renter. Du hast einen Unfall oder einen Schlaganfall, du wirst zum Behinderten. Du hast einen Partner und ein Kind, der Partner stirbt, du bist alleinerziehend. Du verlierst deinen Job und findest aufgrund deines Alters keinen neuen, du wirst arm. Du wirst alt, du wirst gebrechlich. Der Krebs wuchert in deinem Körper, du wirst krank.
Verschiedene Kinder brauchen in der Schule Hilfe in Form einer Begleitperson, der sogenannten Schulbegleitung, zur Teilhabe am Unterricht, aber auch am sozialen Miteinander in der Schule. Die Schulbegleitung übernimmt mehrere Aufgaben. Sie vermittelt zwischen Kind und Kindern, zwischen Kind und Lehrern, sie hilft, Aufgaben zu verstehen, formuliert um, übernimmt manchmal das Schreiben, übersetzt soziale Ereignisse, die das Kind nicht versteht und macht noch vieles mehr. Ohne jemanden, der sich in dem Bereich nicht auskennt, ist kaum oder keine Teilhabe möglich. Das führt natürlich zu verschiedenen anderen Problemen. Das Kind kann mitunter nicht zur Schule, die Schule bedroht die Eltern mit Zwangsmaßnahmen, das Jugendamt wird eingeschaltet, es könnte Kindeswohlgefährdung geben, das Kind verpasst viel Schulstoff … es gibt noch so viel mehr.
Laut dem Autismus Hamburg e.V. soll es in Hamburg eine massive Kürzung der Schulbegleitung geben. Sie haben dazu einen offenen Brief verfasst. In diesem steht genau drin, warum diese Idee schlecht ist und was sie fordern. Lest euch das einmal durch. Es ist schlimm und wenn das Modell gefahren wird, kann es als nächstes dann die nächsten Kinder (und bald arbeitslosen Schulbegleiter) treffen.
Das Bild ist folgendes: Mr. Burns nimmt Baby den Lutscher weg.